WAZ

WAZ-Telefonaktion zu Mobilität und Selbstständigkeit im Alter

Alt werden und dabei mobil, möglichst selbstständig und gesund bleiben. Wer wollte das nicht. Dass es auch tatsächlich möglich ist, davon ist Dr. Olaf Hagen, Chefarzt der Geriatrischen Klinik der Augusta-Kranken-Anstalt, überzeugt. „Die Menschen werden heute älter als noch vor einigen Jahrzehnten. Und Lebensqualität und Lebensfreude“, sagt Dr. Hagen, „sind in der Tat auch jenseits der 70 und 80 möglich.“ Die Menschen müssen allerdings rechtzeitig Vorsorge treffen. Und dies nicht nur finanziell.

Wie man lange fit und selbstständig bleiben kann, erläutert Dr. Hagen mit Dr. Thomas Hulisz, dem Leiter der Augusta Ambulanten Dienste und Hermann Bomholt von der AOK in unserer nächsten WAZ-Telefon-Aktion am Mittwoch, 25. Juni, von 14 bis 15 Uhr.

Senioren sind heute oft gesünder und aktiver als die Generation davor und haben auch im Alter noch Ansprüche. „Sie wollen ein Leben in Selbstbestimmung“, fasst Dr. med. Thomas Hulisz zusammen. Der Mediziner leitet drei Ambulante Dienste in Bochum, Herne und Hattingen und weiß aus Erfahrung, dass die Realität leider zu oft hinter den Erwartungen zurückbleibt.

„Damit die Ansprüche an die Lebensqualität nicht nur Wünsche bleiben, ist es notwendig, frühzeitig etwas zu tun.“ Und das, was zu tun ist, muss vor allem im Umfeld der Senioren geleistet werden: Hausärzte und die Angehörigen müssen genau hinschauen,. „Wir brauchen Hinweise“, sagt Dr. Hagen, „damit wir – im wahrsten Sinne des Wortes - noch etwas bewegen können.“

Ein Hinweis wäre zum Beispiel die offenbar schwindende Beweglichkeit der Mutter, die ihre Wohnung nicht mehr verlässt. Oder die plötzliche Gangunsicherheit, die Angehörige durchaus bemerken. Wichtig ist dann, „dass wir eingreifen, bevor die Mutter das erste Mal stürzt.“

Hagen und Hulisz raten zu einem frühzeitigen geriatrischen Check. „Wir haben erfahrene Altersmediziner, die z.B. auch einen versteckten Parkinson oder Kreislaufprobleme entdecken können.“  Gesundheitsprobleme wie Gangstörungen, zunehmende Immobilität, Inkontinenz und Vergesslichkeit lassen sich schon  während eines kurzen stationären Aufenthaltes abklären.  „Da wird dann auch im Detail klar, was noch alles möglich ist.“ Darüber hinaus besteht am Augusta in Linden auch die Teilnahme an den Akademie-Kursen wie „Gangstörungen Sicherheit im Alter - Gangunsicherheit erkennen und Stürze vermeiden“, sowie „Ganzheitliches Gedächtnistraining“

Hermann Bomholt von der AOK erläutert den Sinn der Pflegeversicherung, die gerade – mit der Installation von Pflegeberatern und Pflegestützpunkten - neu gefasst wurde. „Sie sollte schon immer Pflegebedürftigkeit frühzeitig mildern oder abwenden“, sagt er.

Wenn die Handicaps aber einmal da sind, seien sie nur schwer umkehrbar, erklärt Dr. Hagen. „Dann verfallen die Menschen oft in Einsamkeit, weil sie keine sozialen Kontakte mehr haben. Und schließlich lässt auch die Hygiene nach.“

Bomholt rechnet hoch, dass bundesweit etwa 2,16 Menschen Leistungen aus der Pflegeversicherung beziehen. Rund 710.000 werden stationär betreut, rund 400.000 von ambulanten Pflegediensten. Es bleiben rund 1,45 Millionen Patienten, die zu Hause zusätzlich von Angehörigen umsorgt, gepflegt und beweglich gehalten werden.  Die eigene häusliche Umgebung ist ein ganz wichtiger Teil der Lebensqualität. „Diesen Bereich sollte die Pflegeversicherung stärken“, sagt Dr. Hagen. „Und die Prävention vor dem Altersheim.“

Die Intention der Pflege müsse stets sein: Ambulant vor stationär. „Keiner will ins Pflegeheim. Fakt ist aber: Wer einmal da ist, bleibt auch dort. Deshalb sagen wir ganz deutlich: Keiner sollte ins Heim gehen ohne vorher einen Besuch beim Geriater gemacht zu haben.“

Außerdem gebe es zwischen häuslicher Pflege und vollstationärer Heimunterbringung noch eine Vielzahl von Abstufungen: Von der Pflege für Schwerstkranke, über Wohngemeinschaften oder betreutes Wohnen bis hin zu Haushaltshilfen oder die ergänzende Tagespflege oder Kurzzeitpflege. „Auch hier“, so Dr Hulisz, „können und sollen Ressourcen geweckt und erhalten werden. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, aber wir müssen sie nutzen.“
Es sei wichtig, fasst der Geriater noch einmal zusammen, die Mobilität der Menschen zu erhalten, präventiv und aufklärend zu arbeiten. „Und die Angehörigen müssen mit einbezogen werden, damit Pflege möglichst lange vermieden werden kann.“