Skandalöses Vorgehen der Medizinischen Fakultät

Gedächtnisprotokoll der öffentlichen Fakultätssitzung der Ruhr-Universität zum Thema „Neuordnung des Praktischen Jahres“ insbesondere unter Berücksichtung der Akademischen Lehrkrankenhäuser am 04.06.08, 17:00 bis 18:00 Uhr
von Dr. med. E. Schmidt-Heikenfeld - Ltd. Oberarzt

In der öffentlichen Fakultätsratssitzung Medizin der Ruhr-Universität Bochum vom 04.06.08, 17:00 bis 18:00 Uhr im Hörsaal wurde der Kompromissvorschlag zur Neuordnung des Praktischen Jahres an der Ruhr-Universität Bochum insbesondere unter Berücksichtigung der in zu Vertrag nehmenden Akademischen Lehrkrankenhäuser vorgestellt und anschließend nach kurzer Aussprache in geheimer Wahl vom Fakultätsrat über diesen Antrag abgestimmt.

Zur direkten Vorgeschichte:

In der vorangegangenen, nicht öffentlichen Fakultätsratssitzung vom 28.05.08 wurde eine Abstimmung über einen Antrag der Medizinischen Fachschaft mit unter anderem Konstanz der bisherigen Akademischen Lehrkrankenhäuser seitens der Universitätsprofessoren durch Antrag zur Geschäftsordnung hinsichtlich der Abstimmung vertagt.

Es wurde eine kleine Kommission gebildet, bestehend aus Vertretern der Fächer u. a. Innere, Chirurgie der Universität und drei Mitgliedern der Fachschaft Medizin.

Vorgestellt wurde ein Modell, welches zur Verbesserung des Praktischen Jahres beitragen sollte.

Kernpunkt sollen die 4 Universitätskliniken sein, unterstützt von wenigen Akademischen Lehrkrankenhäusern, welche das Programm mittragen sollen.

Im Einzelnen soll das Praktische Jahr neu strukturiert werden, es soll ein Pflichtenheft geben, ein Rotationsprogramm bestehen und die theoretischen Fortbildungen vertieft werden. Als Hauptkriterium für die Neuordnung wurden eine Verbesserung der Lehre und damit ein besseres Abschneiden der PJ-Studenten im Examen angeführt.

Hinsichtlich der kooperierenden akademischen Lehrkrankenhäuser wurden angeführt das Allgemeine Krankenhaus Hagen, das Knappschafts-Krankenhaus Recklinghausen und das Prosper-Hospital Recklinghausen sowie das Knappschafts-Krankenhaus Dortmund, neu hinzugekommen das Marienhospital Witten.

Es werden 2-Jahres-Verträge angestrebt mit entsprechenden Zielvereinbarungen.

Als Auswahlkriterien bzw. Ausschlusskriterien für die Wahl als Akademisches Lehrkrankenhaus wurden Größe des Krankenhauses inklusive Betten und Fallzahl, Wahlfachangebot, Entfernung zum Studienort Bochum und insgesamt so genannte Kooperationsbereitschaft angegeben.

Nach dieser Vorstellung des Antrages gab es eine Reihe Wortmeldungen aus dem Auditorium, unter anderem von mir.

Auf meine Frage, warum ein bisher großes Lehrkrankenhaus – nämlich die Augusta-Kranken-Anstalt – mit entsprechenden Fallzahlen, Abteilungsvielfalt, vielen Lehrveranstaltungen, Professoren als Abteilungsvorständen, zentraler Lage in Bochum sowie bisheriger Beliebtheit und Zufriedenheit bei den PJ-Studenten ausgeschlossen würde, wurde als Antwort mangelnde Kooperation und im weiteren direkt doch der Konkurrenzdruck und die finanzielle Angespanntheit in der Krankenhauslandschaft insbesondere im Zentrum von Bochum angeführt.

Ein Einwurf von Fakultätsratsmitglied Prof. Gatermann, welcher eine gute Kooperation mit unserem Haus bestätigte, wurde nicht wesentlich kommentiert.

Auch Einwände der zahlreich anwesenden Studierenden hinsichtlich großer Entfernung der neu ausgewählten Akademischen Lehrkrankenhäuser wurde mit den Angaben „man könne sich um einen Platz im Bereich der Bochumer Universitätskliniken bemühen mit ausreichend Kapazitäten für Studierende“.

Unter Leitung von Prof. Muhr, der die Sitzung führte und auch die Abstimmung leitete, ergab sich bei 15 abstimmenden Mitgliedern des Fakultätsrates 1 Enthaltung, 2 Nein-Stimmen sowie 12 Ja-Stimmen. Damit war der Antrag mehrheitlich angenommen und die öffentliche Sitzung des Medizinischen Fakultätsrates abgeschlossen.

Stimmungsmäßig wurde die Sitzung durch zahlreiche Medizinstudenten begleitet, welche mit zum Teil Sprechchören, Plakaten und auch Trillerpfeifen für eine Beibehaltung des bisherigen Ausbildungsmottos – insbesondere der bisherigen Akademischen Lehrkrankenhäuser – stimmten.