Im Bild von links: Sabine Jahn – Ambulante Dienste EvK Hattingen, PD Dr. Helfried Waleczek – Chefarzt Chirurgie EvK, Susanne Gramatke - Ambulanter Hospizdienst Witten/Hattingen, Palliativmediziner Dr. Franz Krizanits, Dr. Barbara Fröber – Ambulanter Hospizdienst Witten/Hattingen, Judit Winner – Schmerztherapeutin EvK, Dr. Thomas Hulisz – Geschäftsführer Ambulante Dienste Bochum/Hattingen, Christiane Breddemann – Pflegedienstleiterin Ambulante Dienste Ev. Stiftung Augusta
Nicht im Bild: Beate Achtelik - Ambulanter Hospizdienst Witten/Hattingen

Wichtige Schritte auf dem Weg zum Palliativnetz Hattingen

Es war ein beinahe noch informelles Treffen – aber das ebenso umfassende wie neue Angebot für lebensbedrohlich erkrankte Menschen und deren Angehörige in Hattingen steht: Ambulante Pflege- und Hospizdienste haben gerade mit dem Evangelischen Krankenhaus Hattingen, mit Palliativ- und Schmerzmedizinern wichtige Schritte für das Palliativnetz Hattingen gemacht.

Dabei geht es um all jene Menschen, die aus dem Krankenhaus entlassen werden, weil dort alle chirurgischen und internistischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Zu Hause sollen diese Patienten auf ihrem weiteren Weg lindernd begleitet und weitestgehend von Schmerzen und Ängsten befreit werden.

Um eine qualifizierte, möglichst optimale Betreuung und damit möglichst viel an Lebensqualität zu gewährleisten, benötigt man viele Spezialisten in enger Kooperation. Dazu gehören kompetente und informierte Hausärzte ebenso wie psychosoziale Einrichtungen, Pflegedienste, Apotheken, Hospizdienste und auch Seelsorger. Und: Je mehr sich am Netzwerk beteiligen, umso besser ist es für die Patienten.

„Wir können nichts mehr für sie tun“. Dieser Satz – das finden nicht nur Dr. Barbara Fröber und Beate Achtelik vom Ambulanten Hospizdienst Witten/Hattingen (AHWH) - gehört unbedingt der Vergangenheit an. Denn die begleitende, lindernde Palliativmedizin ist viel mehr eine Haltung als eine medizinische Disziplin. Wie im Hospizbereich wolle man, so sagt Susanne Gramatke (AHWH), „dem Patienten, der stets im Mittelpunkt steht, ermöglichen, bis zuletzt ein Leben nach seinen eigenen Vorstellungen und Möglichkeiten zu führen.“

Dass der Weg eines solchen Patienten früher oder später ein Ende findet, muss allen Beteiligten klar sein. Palliativmediziner Dr. Franz Krizanits, der in Hattingen lebt und am Evangelischen Krankenhaus zwei Mal wöchentlich als Schmerztherapeut praktiziert, betont, wie wichtig es ist, „die Menschen nicht hilflos und allein zu lassen.“ Die Angehören werden mit einbezogen. „Es ist wichtig sie bei Bedarf zu unterstützen und zu stabilisieren.“ Auch das heißt mehr Lebensqualität für die Patienten. Krizanits hat übrigens das Mülheimer Palliativnetz mitbegründet.

Dr. Thomas Hulisz, Christiane Breddemann und Sabine Jahn von den Ambulanten Diensten des EvK und des Augusta arbeiten bereits in Bochum mit in einem solch neuartigen Betreuungs-Netzwerk. „Es geht in diesen Fällen nicht nach dem Lehrbuch“, ergänzt auch Priv.-Doz. Dr. Helfried Waleczek, Chef der Chirurgie am EvK, „sondern vor allem nach der individuellen Situation.“

„Es gibt vielerorts einen Mangel an funktionierenden Schnittstellen“, sagt Krizanits. „Wir müssen den Übergang von der stationären auf die ambulante Versorgung verbessern, gewissermaßen Brücken schlagen.“ Es dürfe kein Bruch entstehen. Es geht vor allem darum, zum Beispiel in der Behandlung von Schmerzen oder Angst schon im stationären Bereich Konzepte zu bahnen, die später im ambulanten Bereich praktikabel sind. Die Koordination und Abstimmung der notwendigen Versorger untereinander ist zu gewährleisten, damit schließlich die bedeutenden Worte von Cicely Saunders, der Begründerin der Hospizbewegung in England, umgesetzt werden: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“