Stroke Unit am EvK Hattingen jetzt zertifiziert

Täglich kommen Patienten mit Verdacht auf einen Schlaganfall. - Das war 2006 so und ist auch für 2007 die Bilanz der Stroke Unit am Evangelischen Krankenhaus, die mit höchster medizinischer Kompetenz die Folgen solcher akuten Durchblutungsstörungen des Gehirns bekämpft. 368 Menschen wurden eingeliefert, aber lediglich 18 (2006 = 13) kamen so früh, dass die Verstopfung der Hirnarterie lysiert (aufgelöst) werden konnte.

„Es ist noch sehr viel zu tun“, stellt Chefarzt Dr. Rainer Poburski fest. „Die Menschen müssen unbedingt verinnerlichen, dass beim Schlaganfall, wie beim Herzinfarkt, schnellstens gehandelt werden muss.“ Wer halbseitige Lähmungserscheinungen, Schwindel oder Sprach- und Sehstörungen habe, dürfe keinesfalls warten, sondern müsse unverzüglich ein Krankenhaus mit Stroke Unit aufsuchen.
Bei 120 der ins EvK eingelieferten Menschen wurden transitorische ischämische Attacken (TIA) festgestellt, gewissermaßen die Vorboten eines Schlaganfalls: Für kurze Zeit ist ein Hirnbereich nicht ausreichend durchblutet und verursacht ähnliche Symptome wie ein Schlaganfall. Dr. Poburski und sein Team versorgten 101 dieser Patienten auf der Stroke Unit. Bei 174 Patienten wurde schließlich ein „richtiger“ Schlaganfall festgestellt, also die Verstopfung eines Blutgefäßes im Hirngewebe, was die Ursache ist bei 80 Prozent aller Schlaganfälle.

Fast ein Viertel aller neurologischen Patienten kommen inzwischen mit dem Verdacht auf einen Schlaganfall. 29 Prozent davon innerhalb von drei Stunden. Das ist das Zeitfenster, in dem eine Thrombolyse möglich ist. „Besser wäre es allerdings“, so Dr. Poburski, „wenn sie innerhalb von zwei Stunden bei uns wären.“ Die inzwischen von der Deutschen Schlaganfallgesellschaft zertifizierten Spezialisten brauchen schließlich auch etwas Zeit für ihre Untersuchungen.

Feuerwehr-Personal und Notärzte wissen natürlich, wo ein Schlaganfall vorliegen könnte – und werden dann entsprechend zügig handeln. „Das Problem sind die Patienten selbst“, so Oberarzt Spelmeyer, „die im Zweifelsfall warten und hoffen, dass die vielleicht nur leichte halbseitige Lähmung oder die Sprachstörung bald vorüber geht.“ Dadurch werde oft wertvolle Zeit vertrödelt.
„Der Schlaganfall“, so Oberarzt Spelmeyer, „ ist die häufigste Ursache für bleibende Behinderung und Pflegebedürftigkeit.“ Dennoch wurden 80 Prozent der 368 Patienten deutlich gebessert aus dem EvK entlassen, müssen aber in der Zukunft unter Umständen mit kleineren Einschränkungen von Sprache oder Bewegungsfähigkeit leben. „Umso wichtiger ist es deshalb“ fügt Chefarzt Poburski an, „die Versorgung immer weiter zu verbessern.“

Zusatzinfos: 250 000 Deutsche erleiden jährlich einen Schlaganfall. Viele überleben ihn nicht, ein Drittel der Patienten erholt sich, viele behalten Schäden zurück.

 „Schlaganfallstationen gibt es seit etwa 15 Jahren in Deutschland. Sie verbessern nachweislich das Ergebnis der Behandlung“, sagt Dr. Rainer Poburski. Die Bündelung der Kompetenzen einer interdisziplinären Teams aus Neurologen, Kardiologen, neurologischen Pflegekräften, Logopäden und Ergotherapeuten sowie Krankengymnasten führt zu einer schnelleren Diagnosestellung, zur schnelleren Erkennung von Komplikationen und zu deren rascherer Behandlung.