Murtaza hat nur noch eine Zehe - Erstes von vier afghanischen Kindern am EvK operiert

Unbekannte Menschen, fremde Umgebung – da hat der kleine Murtaza Mirza Hussain aus Afghanistan schon ein bisschen geweint. Aber als der Dreijährige am Dienstag im Evangelischen Krankenhaus in den OP gefahren wurde, taute er etwas auf: Da spielte er mit dem Blutdruck-Sensor am Finger und mit einem leeren Spritzenkörper - und lächelte sogar die Anästhesiepfleger Susanne Schultdrees und Hans-Dieter Krumpholz an.

Das Heimweh und die Angst des kleinen Patienten konnte Ferdans Weis ein wenig lindern: Der Krankenpflegeschüler am EvK hat afghanische Eltern, nahm den Kleinen auf den Arm und sprach tröstend auf Murtaza ein, der sich offensichtlich freute, in der Fremde ein paar vertraute Worte zu hören.

Mit seinen schweren Brandverletzungen, die er sich in der Bäckerei seines Vaters beim Sturz in ein Erdfeuerloch zugezogen hatte, lag Murtaza über 50 Tage im Indira-Gandhi Kinderkrankenhaus in Kabul. Eine Behandlung der hochgradigen Verbrennungen war dort nicht möglich, so dass die Hilfsorganisation "Kinder brauchen uns e.V." am 7. April Murtaza und drei weitere Kinder nach Deutschland ausfliegen ließ. Murtaza kam in der Nacht zum Dienstag im EvK an.

Die mit dem „Bambi“ 2007 ausgezeichnete Organisation, leistet, so die Jury-Laudatio damals, „mit großem Einsatz und persönlichem Engagement sehr direkte und unbürokratische Hilfe. Hilfe, die bei denen ankommt, die sie am meisten brauchen – unschuldige Kinder." EvK-Geschäftsführer Ulrich Froese war spontan bereit, vier Kinder in Hattingen kostenlos zu operieren.

Der Kontakt kam zustande über Dr. med. Matthias Angrés, den Vorsitzenden des Vorstandes, der, wie Dr. Schuhmann, zu den rund  60 ordentlichen Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin gehört. Andrés hatte in Hattingen angerufen und - per Hand – noch im Flugzeug den zweiseitigen Arztbrief als Info für Dr. Schuhmann geschrieben.

Drei überwiegend abgestorbene Zehen hatte Murtaza noch, als er nach Hattingen kam. Dr. Karl Schuhmann, Leitender Arzt der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie, entfernte großflächig an beiden Füßen die überwiegend abgestorbene Haut und musste auch noch zwei der drei verbliebenen Zehen amputieren. Schließlich wurden die sehr großen Wunden mit von Murtazas Oberschenkel transplantierter Haut verschlossen.

„Die Operation ist sehr gut verlaufen“, kommentiert Dr. Schuhmann, „und der Junge wird bald wieder laufen können.“ Für Murtazas weitere Genesung und Betreuung sucht der Verein aktuell noch eine Gastfamilie.

Infos über den Verein und Spendenadressen gibt es unter der Web-Adresse www.kinder-brauchen-uns.de

Dr. med. Matthias Angrés ist Ärztlicher Direktor am Albertinen-Krankenhaus in Hamburg.

Dr. Schuhmann ist in der Verbrennungschirurgie kein Unbekannter: Er referierte bei Jahrestagungen der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung u.a über „Das schwer brandverletzte Kind“. (esa)

Fakten zur Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin (DGV)

Die Deutsche Gesellschaft für Verbrennungsmedizin (DGV) vertritt die in der Bundesrepublik Deutschland vornehmlich in der Behandlung Brandverletzter tätigen Ärzte und Naturwissenschaftler. Der Zweck der Gesellschaft ist die Förderung von Forschung und Therapie im Bereich der Behandlung Brandverletzter. Zur Erreichung dieses Ziels arbeitet sie mit anderen wissenschaftlichen Fachgesellschaften, mit zuständigen Behörden, mit ärztlichen Körperschaften, mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft und den Spitzenverbänden der Krankenkassen zusammen. Die DGV fördert die Qualitätssicherung bei der Betreuung Brandverletzter und entwickelt Leitlinien zur Versorgung von Brandverletzten. Insbesondere fördert sie Aus-, Fort- und Weiterbildung von Ärzten in der Verbrennungsbehandlung auch im Rahmen von Tagungen anderer Fachgesellschaften.

Ordentliche Mitglieder können u.a. werden:  Plastische Chirurgen, die in der Bundesrepublik Deutschland ständig in der Forschung und/oder der Behandlung der Brandverletzten tätig sind.